Dialog mit Folgen

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zu der Fachtagung „Muslimische Jugendarbeit – vielfältig, engagiert und kreativ“. Junge Muslime und Verantwortliche aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft nutzten die Gelegenheit, in Arbeitsgruppen miteinander ins Gespräch zu kommen. Viele der Gäste zeigten sich überrascht über die große Bandbreite der Aktionen und Projekte, die muslimische Jugendliche organisieren. Neben den Erfolgen standen auch die Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe der Jugendarbeit im Vordergrund.

„Unser Respekt gilt den Jugendlichen, die sich engagierten“ Ministerialdirektor Dr. Heiko Geue vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eröffnete die Fachtagung mit einem Vortrag zu dem Thema: „Warum fördert das Familienministerium muslimische Jugendarbeit?“. Als einen Grund hob Geue die Bedeutung gelebter Vielfalt hervor. Dies sei für eine Demokratie wichtig und stärke sie, so der Ministerialdirektor. „Unser Respekt gilt den Jugendlichen, die sich engagieren“, betonte er.

Im Anschluss sprach Ministerialdirektor Norbert Seitz vom Bundesministerium des Inneren über „Die Bedeutung der muslimischen Jugendarbeit im Rahmen der Deutschen Islamkonferenz“. „Es muss uns gelingen die Gesellschaft zusammenzubringen“, sagte Seitz. Den Jugendlichen komme dabei eine Schlüsselrolle zu. Schließlich würden sie die Zukunft gestalten. Ihr Handeln sei daher per se nachhaltig.

Einen Einblick in die muslimische Jugendarbeit aus wissenschaftlicher Perspektive lieferte Professor Dr. Hannes Schammann (Universität Hildesheim). Unter der Überschrift „Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft als Partner der muslimische Jugendarbeit“ lieferte er nicht nur einen guten Überblick über die Rahmenbedingungen der muslimischen Jugendarbeit, sondern auch den Befund, dass vor allem die junge Generation die Gestaltung der Jugendarbeit in den muslimischen Gemeinden derzeit neu prägt.

Hier ein Hinweis der Redaktion: Einen guten Überblick über die Vielfalt der muslimischen Jugendarbeit bietet der online-Atlas Muslimischer Jugendarbeit, der in Kooperation mit der ehemaligen Integrationsbeauftragten Frau Dr. Lüke entstanden ist.

Ergebnisorientierte Debatte

Nach den Vorträgen trafen sich die Teilnehmer der Fachtagung in Arbeitsgruppen. Das Ziel – ein ergebnisorientierter Dialog. Der Teilnehmer Sezai hat sich ganz bewusst für die Teilnahme an der AG „Demokratieförderung in der muslimischen Jugendarbeit“ entschieden. „Ich glaube es ist wichtig, den jungen Menschen das Bewusstsein zu vermitteln, dass sie Teil der Gesellschaft sind. Dadurch steigt die Bereitschaft sich für die Gesellschaft zu engagieren“, sagte der 26-Jährige. Dass viele Verantwortliche und Aktive der Jugendarbeit diese Bereitschaft längst mitbringen, wurde an den vielfältigen Aktivitäten und Projekte deutlich, die sie im Rahmen der AG vorstellten. Diese reichen von der Antiradikalisierungsarbeit, die Förderung von Selbst- und Mitbestimmung innerhalb der Gemeinden bis hin zu einem breiten ehrenamtlichen Engagement, wie beispielsweise aktuell die Hilfe für Flüchtlinge. Als problematisch bezeichneten die in der Regel ehrenamtlich Tätigen den Mangel an Ressourcen. Es fehle nicht nur an Geld. Häufig fehlt es an Wahrnehmung und Anerkennung, aber auch an Austausch von Know-how und Kooperationspartnern.

Die AG „Frauenförderung in der muslimischen Jugendarbeit“ machte auf das Fehlen von Vorbildern für junge muslimische Frauen aufmerksam. Die Bildung von Karriere-Netzwerke für Frauen zu schaffen, wurde als ein sinnvoller Ansatz diskutiert. Außerdem wünschten sich die AG-Teilnehmerinnen mehr muslimische Theologinnen. In der Arbeitsgruppe „Diversity in der muslimischen Jugendarbeit“ wurde das Thema Inklusion großgeschrieben. Ein Beispiel dafür, wie behinderten Menschen mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden kann, lieferte Merve. Die Studentin bietet in der Sehitlik-Moschee Gebärdensprachkurse an. „Ich wollte ein Problembewusstsein schaffen und bin auf ein enormes Interesse gestoßen“, sagte sie bei der Vorstellung ihres Projektes.

Ob Theater, Musik, Dichtung oder Comic – es gibt es kaum einen künstlerischen Bereich, in dem muslimische Jugendliche nicht aktiv sind. Das hat die Arbeitsgruppe „Kulturelle Bildung in der muslimischen Jugendarbeit“ festgestellt. Meist bieten die Engagierten Kurse jedoch ehrenamtlich an. Damit das nicht so bleibt, hat ein Vertreter des Projekts „Kubinaut“ den Jugendlichen zugesichert, sie künftig bei der Erstellung von Förderanträgen zu beraten. Bereitschaft zur Kooperation gab es auch von anderen Multiplikatoren. „Wir werden dafür Sorge tragen, dass aus den sehr guten Ideen, die heute entstanden sind, konkrete Aktivitäten werden“, versicherte Kofi Ohene-Dokyi, als einer der Verantwortlichen der RAA für das JUMA-Projekt.

Zertifikate verliehen

Zum Schluss der Fachtagung erhielten die „Türöffner“ ihre Zertifikate. Lydia Nofal bezeichnete die Verleihung als den eigentlichen „Höhepunkt“ des Abends. Die „Türöffner“ sind junge Verantwortliche und Aktive der muslimischen Jugendarbeit, die sich im JUMA-Projekt fortgebildet haben um nun als Ansprechpartner für Kooperationsprojekte mit muslimischen und nicht-muslimischen Organisationen zu agieren. „Ich will als Türöffner dazu beitragen, Türen zu öffnen, die zunächst verschlossen erscheinen“, erklärte Danyal seine Motivation für das neue Amt.

z